„Nebenan“ ist eine missionarische
Initiative des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises in einem für den Osten
Deutschlands typischen Plattenbaugebiet in Rotensee, einem Stadtteil von Bergen
auf der Insel Rügen.
Die Vision von „nebenan“ ist es, dem
Beispiel von Jesus zu folgen, von dem es heißt: „Das Wort wurde Fleisch und
wohnte unter uns“ (Joh 1,14). Gott wurde in Jesus Mensch
und ging in die Kultur des Judentums ein. Er sprach die Sprache der Menschen,
die ihn umgaben. Er ging dorthin, wo die Menschen waren. Er verkündigte die
Botschaft vom Reich Gottes am Esstisch. Jesus war nebenan. Erreichbar. Damals
wie heute.
„Nebenan“
will wie Jesus dort sein, wo die Menschen sind. Deshalb
wohnen wir im Plattenbaugebiet Rotensee. Wir wollen wie Jesus Anteil nehmen am
Leben der Menschen. Wir wollen mit ihnen Freude und Leid teilen. Wir wollen sie
besuchen, mit ihnen gemeinsam essen, Tee oder Kaffee trinken. Wir wollen dort
helfen, wo Hilfe benötigt wird. Wir wollen den Menschen unsere Zeit schenken.
Wir wollen die Menschen lieben, wie Jesus sie liebt. Bei alledem wollen wir in
Rotensee als Christen wohnen, die ihren Glauben an Jesus mit Hingabe und
Begeisterung leben – mit Hingabe für diesen und an diesem konkreten Ort (Apg
1,8). Wir wollen Salz und Licht sein (Mt 5,13-16). Salz, dass Durst auf das
Wasser des Lebens macht. Licht, dass verfinstertes Leben hell und hoffnungsvoll
macht. Mitten im Alltag. Auf den Straßen von Rotensee, im Supermarkt, in der
Kneipe. Wir wollen nebenan sein. Erreichbar. Ansprechbar.
Deshalb grüßen wir die Menschen, die uns auf der Straße
begegnen. Der Gruß auf der Straße ist dabei schon ein Ausdruck des Lebens von
Jesus – sich den Menschen mit einem freundlichen Blick zuwenden und ihnen Gutes
auf dem Weg wünschen. Der freundliche Gruß auf der Straße oder im Hausaufgang
ist für uns ein stetes Anklopfen und ein Warten darauf, dass Menschen Vertrauen
aufbauen und offen werden für ein Gespräch oder einen intensiveren Kontakt
(Offb 3,20).
Die Emmaus-Erfahrung der beiden Jünger (Lk 24,13-35) ist
für „nebenan“ vorbildhaft. Jesus ist plötzlich mit ihnen auf dem
Weg. Er gesellt sich zu ihnen, teilt mit ihnen die Wegstrecke. Er läuft mit.
Und seine erste Frage ist: „Was sind das für Dinge, die ihr miteinander
verhandelt unterwegs?“ Bevor Jesus erzählt, warum er sterben und auferstehen
musste, bevor er ihnen das Evangelium sagt, hört er ihnen zuerst zu. Auch wir
sehen uns mit unseren Nachbarn auf dem Weg. Wir gesellen uns auf ihren
Lebensweg, laufen mit, begleiten sie. Dabei wollen wir sensibel dafür sein, was
sie uns zu erzählen haben und ihnen zuhören. Auf diesem Weg vertrauen wir
darauf, dass sich Emmaus je und dann neu ereignet und das Evangelium zur
Sprache kommt.
Wenn wir Menschen besuchen, dann glauben wir, dass mit uns
Christus zu ihnen kommt (Joh 13,20). Wir sind gewiss, dass schon durch die
einfache Kommunikation, das Zuhören, das Anteilnehmen und durch praktische
Hilfe Jesus wirkt. Wir sind gewiss: ER öffnet uns dann auch die Tür für die
Weitergabe des Evangeliums. ER bahnt sich den Weg zu den Herzen der Menschen.
ER ist schon längst am Wirken (Ps 22,29).
In
unserer Arbeit wollen wir nicht nur Anteil nehmen, sondern auch Anteil an
unserem eigenen Leben geben (1Thess 2,8). „Nebenan“ ist keine
kommunikative Einbahnstraße. Auf diese Weise wollen wir den Menschen bezeugen,
wie Gott in unserem Leben wirkt. Konsequentes Leben in der Nachfolge hinter
Jesus her hat eine nicht zu unterschätzende Außenwirkung.
Wir
von „nebenan“ wollen deshalb bewusst ein Brief Christi sein, der
von den Menschen gelesen wird (2Kor 3,2f.).
„Nebenan“ arbeitet auf der Basis eines
Teams. Als Team bilden wir ab, wie christliche Gemeinschaft aussehen kann. Wir
haben erlebt, wie eine solche Gemeinschaft nach außen strahlt. Das Gebet für
unser Wohnumfeld ist ein maßgeblicher Teil unseres gemeinsamen Lebens.
„Nebenan“ betrachtet sich als neue
Ausdrucksform gemeindlichen Lebens. Ziel ist es, dass „nebenan“ eines
Tages Gemeinde wird. Eine Gemeinde vor allem von und mit Menschen aus Rotensee.
Eine Gemeinde, in der Menschen aus ihrer Isolation herausfinden und
Lebensveränderung erfahren. Den Weg einer Gemeindeentwicklung möchten wir Gott
anvertrauen. Wir glauben, dass ER uns in allem vorangeht.
Neben
dem Versuch, Veranstaltungen und Angebote zu etablieren, möchten wir das
einfache Leben als Gemeinschaft vor Ort in der Nachfolge hinter Jesus her
betonen. Die Begegnung im Alltag und der kontinuierliche Kontakt zu einzelnen
Menschen, ja das konsequente Gehen (Mt 28,19) in Form von Beziehungsarbeit soll
Schwerpunkt unserer missionarisch-evangelistischen Arbeit sein und bleiben. Wir
haben erlebt und sind überzeugt davon, dass dieser Weg ein für uns
geduldvoller, aber umso spannenderer Weg zu den Menschen ist, die Jesus noch
nicht kennen. Ein Weg, auf dem Heilung und Veränderung von Menschen möglich
wird.
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