Montag, 10. Dezember 2012

Was uns antreibt.



„Nebenan“ ist eine missionarische Initiative des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises in einem für den Osten Deutschlands typischen Plattenbaugebiet in Rotensee, einem Stadtteil von Bergen auf der Insel Rügen.
Die Vision von „nebenan“ ist es, dem Beispiel von Jesus zu folgen, von dem es heißt: „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns“ (Joh 1,14). Gott wurde in Jesus Mensch und ging in die Kultur des Judentums ein. Er sprach die Sprache der Menschen, die ihn umgaben. Er ging dorthin, wo die Menschen waren. Er verkündigte die Botschaft vom Reich Gottes am Esstisch. Jesus war nebenan. Erreichbar. Damals wie heute.
„Nebenan“ will wie Jesus dort sein, wo die Menschen sind. Deshalb wohnen wir im Plattenbaugebiet Rotensee. Wir wollen wie Jesus Anteil nehmen am Leben der Menschen. Wir wollen mit ihnen Freude und Leid teilen. Wir wollen sie besuchen, mit ihnen gemeinsam essen, Tee oder Kaffee trinken. Wir wollen dort helfen, wo Hilfe benötigt wird. Wir wollen den Menschen unsere Zeit schenken. Wir wollen die Menschen lieben, wie Jesus sie liebt. Bei alledem wollen wir in Rotensee als Christen wohnen, die ihren Glauben an Jesus mit Hingabe und Begeisterung leben – mit Hingabe für diesen und an diesem konkreten Ort (Apg 1,8). Wir wollen Salz und Licht sein (Mt 5,13-16). Salz, dass Durst auf das Wasser des Lebens macht. Licht, dass verfinstertes Leben hell und hoffnungsvoll macht. Mitten im Alltag. Auf den Straßen von Rotensee, im Supermarkt, in der Kneipe. Wir wollen nebenan sein. Erreichbar. Ansprechbar.

Deshalb grüßen wir die Menschen, die uns auf der Straße begegnen. Der Gruß auf der Straße ist dabei schon ein Ausdruck des Lebens von Jesus – sich den Menschen mit einem freundlichen Blick zuwenden und ihnen Gutes auf dem Weg wünschen. Der freundliche Gruß auf der Straße oder im Hausaufgang ist für uns ein stetes Anklopfen und ein Warten darauf, dass Menschen Vertrauen aufbauen und offen werden für ein Gespräch oder einen intensiveren Kontakt (Offb 3,20).
Die Emmaus-Erfahrung der beiden Jünger (Lk 24,13-35) ist für „nebenan“ vorbildhaft. Jesus ist plötzlich mit ihnen auf dem Weg. Er gesellt sich zu ihnen, teilt mit ihnen die Wegstrecke. Er läuft mit. Und seine erste Frage ist: „Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs?“ Bevor Jesus erzählt, warum er sterben und auferstehen musste, bevor er ihnen das Evangelium sagt, hört er ihnen zuerst zu. Auch wir sehen uns mit unseren Nachbarn auf dem Weg. Wir gesellen uns auf ihren Lebensweg, laufen mit, begleiten sie. Dabei wollen wir sensibel dafür sein, was sie uns zu erzählen haben und ihnen zuhören. Auf diesem Weg vertrauen wir darauf, dass sich Emmaus je und dann neu ereignet und das Evangelium zur Sprache kommt.
Wenn wir Menschen besuchen, dann glauben wir, dass mit uns Christus zu ihnen kommt (Joh 13,20). Wir sind gewiss, dass schon durch die einfache Kommunikation, das Zuhören, das Anteilnehmen und durch praktische Hilfe Jesus wirkt. Wir sind gewiss: ER öffnet uns dann auch die Tür für die Weitergabe des Evangeliums. ER bahnt sich den Weg zu den Herzen der Menschen. ER ist schon längst am Wirken (Ps 22,29).
In unserer Arbeit wollen wir nicht nur Anteil nehmen, sondern auch Anteil an unserem eigenen Leben geben (1Thess 2,8). „Nebenan“ ist keine kommunikative Einbahnstraße. Auf diese Weise wollen wir den Menschen bezeugen, wie Gott in unserem Leben wirkt. Konsequentes Leben in der Nachfolge hinter Jesus her hat eine nicht zu unterschätzende Außenwirkung.
Wir von „nebenan“ wollen deshalb bewusst ein Brief Christi sein, der von den Menschen gelesen wird (2Kor 3,2f.).
„Nebenan“ arbeitet auf der Basis eines Teams. Als Team bilden wir ab, wie christliche Gemeinschaft aussehen kann. Wir haben erlebt, wie eine solche Gemeinschaft nach außen strahlt. Das Gebet für unser Wohnumfeld ist ein maßgeblicher Teil unseres gemeinsamen Lebens.
„Nebenan“ betrachtet sich als neue Ausdrucksform gemeindlichen Lebens. Ziel ist es, dass „nebenan“ eines Tages Gemeinde wird. Eine Gemeinde vor allem von und mit Menschen aus Rotensee. Eine Gemeinde, in der Menschen aus ihrer Isolation herausfinden und Lebensveränderung erfahren. Den Weg einer Gemeindeentwicklung möchten wir Gott anvertrauen. Wir glauben, dass ER uns in allem vorangeht.
Neben dem Versuch, Veranstaltungen und Angebote zu etablieren, möchten wir das einfache Leben als Gemeinschaft vor Ort in der Nachfolge hinter Jesus her betonen. Die Begegnung im Alltag und der kontinuierliche Kontakt zu einzelnen Menschen, ja das konsequente Gehen (Mt 28,19) in Form von Beziehungsarbeit soll Schwerpunkt unserer missionarisch-evangelistischen Arbeit sein und bleiben. Wir haben erlebt und sind überzeugt davon, dass dieser Weg ein für uns geduldvoller, aber umso spannenderer Weg zu den Menschen ist, die Jesus noch nicht kennen. Ein Weg, auf dem Heilung und Veränderung von Menschen möglich wird.

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